am Beispiel der Projektbegleitung
für den Verein Monte Azul International e.V.

 

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Der MAI e.V. engagiert sich für die Sozialarbeit der
Associação Comunitária Monte Azul in São Paulo

 

Die Associação Comunitária Monte Azul leistet Sozialarbeitin 3 Favelas in São Paulo, Brasilien. Was in der Favela Monte Azul mit der Ausbildung von 3 Müttern aus der Favela zu Kindergärtnerinnen begann, ist heute eine Organisation mit ca. 250 Mitarbeitenden, die zur Hälfte immer noch aus den Favelas stammen. In sämtlichen Bereichen von der Putzarbeit bis zur Verwaltung arbeiten alle gleichberechtigt und in gegenseitiger Wertschätzung zusammen.

Die Arbeit der Associação Comunitária Monte Azul beruht auf der Anthroposophie Rudolf Steiners. Sie nimmt den ganzen Menschen in den Blick. Neben den Kindergärten gibt es heute eine Waldorfschule, schulische Nachbetreuung, handwerkliche Ausbildungen junger Menschen und eine vielgestaltige Kulturarbeit. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Gesundheitsfürsorge mit umfangreicher medizinischer Versorgung, die weit über das direkte Umfeld hinaus reicht.

2011 war John Croft in Monte Azul, um das dort bereits angewandte Dragon Dreaming zu vertiefen: http://dragondreamingbrasil.blogspot.de/p/dd-na-monte-azul.html

Mitarbeitende der Associação Comunitária Monte Azul bei einem Kurs mit John Croft

Der Förderverein Monte Azul International e.V. engagiert sich von Deutschland aus für die Sozialarbeit in den Favelas von São Paulo. Um eine intensive gemeinsame Arbeit am Leitbild möglich zu machen, hatte der Vorstand engagierte Mitglieder zu einem Dragon Dreaming Prozess Ende August 2016 für 2 Tage nach Baden-Württemberg eingeladen.

Traumkreis
Ein Leitbild ist der größte gemeinsame Nenner einer Gemeinschaft. Es beschreibt die Vision, die damit verbundenen Ideale und deren Zukunftsfähigkeit. Dabei beinhaltet es auch die konkret zu leistende Arbeit und den Weg dorthin. So haben wir mit der generativen Frage: „Was ist für mich Monte Azul International, wie steht es mit Brasilien in Verbindung und was brauche ich, um von ganzem Herzen mitmachen zu können?“ den Traumkreis durchlaufen.

Übergeordnete Wünsche
Als ich (der Verfasser) 2011 bei John Croft meinen Einführungs- und Intensivkurs wahrnahm, gab es noch einen Arbeitsschritt zwischen dem Traumkreis und dem „Objective Setting“, der Sortierung der Träume in Themenkolonnen: das Erarbeiten der übergeordneten Wünsche. Dieser Schritt wird heute aus „Gründen der Effektivität“ meist ausgelassen, weil er anstrengend und scheinbar zeitraubend ist. Dabei wirkt er für die Verbindung der Wünsche der Anderen mit den eigenen Träumen besonders integrativ. Jede Teilnehmerin/jeder Teilnehmer muss alle Traumflipcharts nochmals lesen und die Wünsche herausfinden, die für sie/ihn zusammengehören, um daraus einen komplett neu formulierten übergeordneten Wunsch zu formen. Alle erhalten, -je nach Gruppengröße-, 3-5 Post–its, um je einen übergeordneten Wunsch darauf zu schreiben, der dann in Themenkolonnen übertragen wird. Dieser Schritt ist innerhalb des „Träumens“ ein erstes Integrieren, Zusammenführen, wobei eine Überprüfung, ob dabei etwas Essentielles verloren ging, notwendig ist.

übergeordnete Wünsche werden formuliert und in Themenkolonnen sortiert

übergeordnete Wünsche werden formuliert und in Themenkolonnen sortiert

Warum ist dieser Schritt so wichtig? Wenn ein Leitbild wirklich der größte gemeinsame Nenner einer Gemeinschaft ist, so ist es äußerst sinnvoll, die Wünsche der Anderen ins eigene Bewusstsein zu nehmen, sie dort auch mit den eigenen Wünschen zu verarbeiten, in dem Zusammengehörigkeiten erkannt werden, und daraus einen neuen, die anderen Wünsche integrierenden Wunsch zu formulieren.

Dieser Vorgang lässt sich bildlich anhand einer vor mir liegenden Lemniskate (eine 8) verdeutlichen, bei der eine der außenliegenden Wendungen zu mir zeigt. (Im Idealfall malt man sie sich mit einem ganz breiten Stift oder Pinsel auf.) Wenn ich auf der mir gegenüberliegenden Seite einen spitzen Stift auf der Außenseite der Lemniskate ansetze, befinde ich mich sozusagen in der Außenwelt; bei den Wünschen der Anderen. Der Stift folgt der Form bis zum Kreuzungspunkt der Lemniskate: Ich habe mehrere thematisch zusammengehörige Wünsche gefunden und überführe sie in mein Bewusstsein. Das Weiterziehen des Stifts führt ihn nach dem Kreuzungspunkt auf die Innenseite der Lemniskate bis direkt vor mich. Hier befinde ich mich im Stadium der Verarbeitung der wahrgenommen Wünsche zu einem übergeordneten Wunsch. Auf dem Weg zurück zum Kreuzungspunkt bringe ich ihn nach außen, d.h. ich schreibe ihn auf eine Moderationskarte. Sobald ich durch den Mittelpunkt hindurch gezogen bin, befinde ich mich wieder auf der Außenseite der Lemniskate, im Prozess des außen Wahrnehmens.

Objective Setting
Im nächsten Schritt werden die übergeordneten Wünsche als Ziele gemeinsam zu Themenkolonnen sortiert (objectiv setting), die die Unterpunkte des Leitbildes ergeben. In Kleingruppen werden die Schlüsselworte markiert, um daraus eine Überschrift für die jeweilige Kolonne zu bilden. Aus den unter der jeweiligen Überschrift befindlichen Zielen erarbeiten die Kleingruppen Texte, die der gesamten Gruppe im Plenum vorgelesen werden. Bei Zustimmung gilt das so entstandene Kapitel des Leitbilds als gesetzt.

Fertigstellen des Leitbildes
Eine redaktionelle Nacharbeit ist noch notwendig, um die einzelnen Kapitel in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Eine gemeinsame Überarbeitung nach einer gewissen Zeit kann ab und zu nötig sein.

Überschriften werden erarbeitet und das Karabirrdt ist erstellt

Überschriften werden erarbeitet und das Karabirrdt ist erstellt

Letztendlich muss ein Leitbild aber für lange Zeit Bestand haben, um von allen Mitgliedern voll inhaltlich auch nach außen vertreten werden zu können. Nur dann wird die jeweilige Gemeinschaft von der Umwelt dauerhaft ernst genommen.

Das Formulieren eines Leitbildes/einer ausführlichen Vision ist ein außerhalb des normalen Dragon Dreaming Ablaufs liegender Arbeitsschritt. Nach dem Formulieren des Leitbildes kann man wieder zu den sortierten Zielen zurückkehren, um in der gewohnten Abfolge des Dragon Dreaming fort zu fahren und das Karabirrdt zu erstellen: die Umsetzung der Themenkolonnen in konkrete Arbeitsschritte und die dazugehörigen Verantwortlichkeiten.

Der MAI e.V. hat über diesen Schritt hinaus noch mit der Umsetzung der in den Arbeitsgruppen definierten Aufgaben begonnen. (Mehr über die Arbeit in Brasilien: www.monteazul.de)

Andreas Boegner